Autor

van Loon, Karel Glastra

Titel

Passionsfrucht

Originaltitel

De passievrucht

Genre

Drama

Seiten

239

Erscheinungsjahr

1999

Auszeichnungen

Verfilmungen

De Passievrucht (2003)

Verlag

Aufbau tb

Wertung

Inhalt

Von seinem Arzt erfährt Armin Minderhout, dass er mit seiner Lebensgefährtin Ellen nie ein Kind wird zeugen können. Aufgrund einer Erbkrankheit ist er unfruchtbar und es schon immer gewesen. Doch was ist dann mit seinem vierzehnjährigen Sohn Bo, den er mit seiner bereits verstorbenen Partnerin Monika hat? Für Armin beginnt die fieberhafte Suche nach dem Vater eines Kindes, das nun nicht mehr das seine ist und der Kampf mit seinen verworrenen Gefühlen...

Rezension

In einer klaren Sprache beschreibt Armin diees erschütternde Erlebnis von seiner Warte aus und pickt sich dabei nur ein paar kleine Einzelheiten aus dem Geschehen, die aber sehr deutlich machen, wie es den handelnden Personen gerade ergeht. Ich konnte nicht umhin, mit dem Mann mitzufühlen, der glaubte, Vater zu sein, es aber nie war. Man erlebt seinen inneren Kampf, den Aufruhr seiner Gedanken und das Irrationale seiner Handlungen. Ich war nicht mit allem einverstanden, was Armin tat, doch im Angesicht dessen, was er durchmachen musste, war es durchaus verständlich. Ein Glück für ihn, dass sowohl Bo, als auch Ellen dort verständnisvoll und geduldig reagieren, wo anderen längst der Kragen geplatzt wäre. Insofern war das Buch ein wenig zu optimistisch für meinen Geschmack.
Was den Aufbau angeht, gelingt es van Loon sehr gut, in der Zeit hin- und herzuspringen, ohne den Faden zu verlieren und den Leser dadurch an sein Buch zu fesseln, da er wissen will, wie es denn mit der Patchworkfamilie weitergehen wird. Ja, ich hegte eine etwas unwillige Sympathie für die Protagonisten, die so ganz andere Werte als ich vertraten und meinem doch eher konservativen Geist zuwiderhandelten. Ich wünschte ihnen dennoch ein gutes Ende, das ich im übrigen bereits auf Seite 26 erriet, wo es mir wie Schuppen von den Augen fiel. Aus Eitelkeit merkte ich mir die Stelle und aus derselbigen erwähne ich es hier. Dennoch hatte ich das Buch in zwei Tagen gelesen, da mir vor allem der menschliche Aspekt gefiel. Es kam mir vor, als ginge es um reale Personen (zumindest wenn sie nicht solch übermenschliche Güte zeigten), echte Gefühle, den Konflikt zwischen Nähe und Distanz, den Armin auszutragen hat. Diese "Lebensnähe" vermisste ich in "Der Ursprung der Welt", den ich davor gelesen hatte und in dem sich - welch ein Zufall - auch ein Mann auf der Suche befindet. Anders als dort bleibt van Loon aber an seinen Figuren dran, besonders bei den sehr lebendigen Dialogen, die es mir angetan haben. Nach "Lisas Atem" ein weiteres Buch des Niederländers, das mir sich lohnt, wobei ersteres bereits großeres Können zeigt.